Autor: Dirk Engelke

Was ist Ihr beruflicher Hintergrund und welche Perspektive bringen Sie in das Projekt ein? Ich bin Raumplaner und Professor an der Fachhochschule Ostschweiz (OST). Meine Arbeit liegt an der Schnittstelle zwischen angewandter Forschung, Planungspraxis und Politikberatung. Seit über zwei Jahrzehnten liegt einer meiner Schwerpunkte auf Dienstleistungen von allgemeinem Interesse und ländlichen Regionen. Diese Themen sind in meiner Forschung eng miteinander verbunden. Bei COBASI bringe ich eine umsetzungsorientierte Perspektive ein. Als Raumplaner interessiere ich mich weniger für isolierte architektonische Lösungen als für die strukturellen Bedingungen, die über Erfolg oder Misserfolg von Transformationsprozessen entscheiden. Warum ist aus Ihrer fachlichen Sicht die Verbindung zwischen Baukultur und Grundversorgung für ländliche Gemeinden besonders relevant? Aus raumplanerischer Sicht sind Baukultur und Dienstleistungen von allgemeinem Interesse in ländlichen Gemeinden eng miteinander verflochten. Diese Dienstleistungen sind keine neutrale Infrastruktur. Sie strukturieren den Raum, definieren Zentren und beeinflussen den Alltag. Historisch gesehen haben Postämter, Geschäfte, Schulen oder Arztpraxen bestimmten Gebäuden und Orten Bedeutung verliehen, meist stehen diese Gebäude heute unter Denkmalschutz. Wenn diese Dienstleistungen verschwinden oder ständig neu organisiert werden, hat dies gleichzeitig räumliche und soziale Auswirkungen. Die Baukultur bietet einen Rahmen, um diesem Verlust zu begegnen, indem sie Gebäude, Nutzungen und öffentlichen Raum auf eine Weise wieder miteinander verbindet, die die Zugänglichkeit, Identität und den sozialen Zusammenhalt stärkt. Auf welche konkreten Fragen oder Herausforderungen konzentrieren Sie sich innerhalb von COBASI? Innerhalb von COBASI liegt mein Schwerpunkt auf Entscheidungsfindung und Governance. Ich interessiere mich dafür, wie Kommunen, Grundstückseigentümer, Dienstleister und übergeordnete Behörden miteinander interagieren. In dem Projekt sind wir als OST für die Co-Creation-Prozesse verantwortlich, um Lösungen in exemplarischen Kommunen zu finden. Eine zentrale Frage für mich ist, wie Kommunen über reaktive, fallbezogene Lösungen hinausgehen können. Stattdessen interessiere ich mich für strategische Ansätze, die es ermöglichen, Dorfzentren im Laufe der Zeit zu entwickeln und dabei Baukultur und diese Dienstleistungen auf kohärente Weise zu integrieren. Was hoffen Sie, dass Kommunen und Praktiker nach Abschluss des Projekts aus COBASI mitnehmen werden? Ich hoffe, dass Kommunen und Praktiker nach Abschluss von COBASI ein konkreteres und besser nutzbares Verständnis von Baukultur mitnehmen. Diese sollte nicht länger als abstraktes Ideal oder rein architektonisches Anliegen erscheinen. Stattdessen kann Baukultur zu einem praktischen Werkzeug werden, um Prozesse zu strukturieren, Akteure aufeinander abzustimmen und Komplexität zu bewältigen. Im Idealfall werden die Ergebnisse von COBASI die Grundlage für Praktiker bilden, um kontinuierlich an Baukultur und Dienstleistungen von allgemeinem Interesse zu arbeiten.