

Das Projekt COBASI des Nationalen Forschungsprogramms NFP 81
In vielen ländlichen Gemeinden verändert sich der Service public in einem weiteren Verständnis spürbar. Postämter werden geschlossen, Dorfläden kämpfen ums Überleben, Bankfilialen verschwinden und es wird immer schwieriger, eine langfristige medizinische Versorgung sicherzustellen. Gleichzeitig gibt es in den Dorfzentren Gebäude, die genau diese Funktionen früher erfüllt haben: ehemalige Postämter, Gasthäuser, kleine Läden, Gemeindezentren und Bahnhöfe. Diese Gebäude liegen oft zentral, sind gut erreichbar und prägen weiterhin den Charakter des Ortes. Wenn jedoch Dienstleistungen verschwinden oder sich grundlegend verändern, verlieren diese Gebäude ihren ursprünglichen Zweck. Dies führt zu Leerständen oder Umnutzungen von Gebäuden, die nicht mehr einem Service public in einem weiteren Verständnis dienen. Und doch besteht nach wie vor ein klarer Bedarf an physischen Orten, die wesentliche Dienstleistungen zusammenführen, Begegnungen ermöglichen und als alltägliche Treffpunkte fungieren. COBASI versteht diese Orte als wichtige Ankerpunkte für grundlegende Dienstleistungen und das soziale Leben in ländlichen Gemeinden.
Baukultur: Die Qualität unserer gebauten Umwelt gestalten
Baukultur umfasst alle menschlichen Aktivitäten, die die gebaute Umwelt prägen. Dazu gehören Landschaften, Gebäude, Infrastruktur, öffentliche Räume und sogar die Räume dazwischen. Die gesamte Lebensumgebung wird als ein zusammenhängendes System betrachtet. Sie umfasst sowohl alte als auch neue Strukturen, einschliesslich historischer Stätten und moderner Gebäude. Baukultur konzentriert sich auch darauf, wie Dinge geplant und gebaut werden – von Wettbewerben und öffentlicher Beteiligung bis hin zur eigentlichen Konstruktion. Kurz gesagt: Bei der Baukultur geht es um die Qualität, mit der wir unsere gesamte Lebensumgebung gestalten, bauen und verwalten.
Beispielsweise bezieht sich Baukultur auf das Zusammenspiel von Gebäuden, Strassen und öffentlichen Räumen bei der Gestaltung der gebauten Umwelt. Vor allem in ländlichen Gebieten spielen Orte, die grundlegende Dienstleistungen anbieten, oft eine Schlüsselrolle bei der Bildung der lokalen Identität. Sie sind Teil der Geschichte eines Dorfes und dienen als Orientierungspunkte im Alltag. Baukulturelle Qualität entsteht aus dem Zusammenspiel von Gebäude, öffentlichem Raum und Nutzung. Entscheidend ist, ob ein Ort zur Grundversorgung beiträgt, das Dorfzentrum stärkt und als Ort des täglichen Lebens und der sozialen Interaktion fungiert – nicht nur, wie er aussieht.
Das Projekt COBASI baut auf diesem erweiterten Verständnis von Baukultur auf, wie es in der von der Schweizerischen Eidgenossenschaft verabschiedeten Davoser Erklärung verankert ist.
Bedarf an Austausch von Erfahrungen
Die Anforderungen an Kommunen und Immobilienbesitzer steigen: Gesetzliche Vorgaben, wirtschaftliche Zwänge, Bauvorschriften oder Denkmalschutz machen Umbauten komplex. Gleichzeitig verändern sich Betriebs- und Geschäftsmodelle, und digitale Dienstleistungen gewinnen an Bedeutung. In diesem Spannungsfeld sind Lösungen gefragt, die sowohl eine Transformation des Gebäudes als auch seines Programms gewährleisten und auf spezifische und lokale Bedürfnisse eingehen. Das COBASI-Projekt befasst sich daher ausdrücklich mit Fragen der Governance: Wer entscheidet was, mit welchen Instrumenten und durch welche Formen der Zusammenarbeit zwischen Behörden, privaten Eigentümern, Dienstleistern und der Zivilgesellschaft, um eine ländliche Revitalisierung zu erreichen?
COBASI verbindet Baukultur und Service public in einem weiteren Verständnis in ländlichen Gemeinden. Es soll aufzeigen, wie bestehende Gebäude und zentrale Orte weiterentwickelt werden können, damit Dorfkerne langfristig attraktiv, funktional und lebendig bleiben.
Aufbau eines Netzwerks von Praktikern
COBASI verbindet analytische Forschung mit praktischem Engagement. Das Projekt sammelt und analysiert gute Beispiele aus ländlichen Gemeinden in der Schweiz und in ganz Europa, in denen Prozesse zur Dorferneuerung stattgefunden haben. Durch die Untersuchung der Beziehung zwischen Baukultur und eines Service public in einem weiteren Verständnis identifiziert diese vergleichende Arbeit wichtige Hebel für erfolgreiche Transformationsprozesse im ländlichen Kontext.
Gleichzeitig baut das Projekt ein Netzwerk von Gemeinden und Fachleuten auf, die direkt an solchen Transformationsprozessen beteiligt sind.
Initiierung von Ko-Kreations-Prozessen
Im Rahmen einer Projektausschreibung nehmen ausgewählte Gemeinden an einem strukturierten Ko-Kreations-Prozess teil. Die Erkenntnisse aus der analytischen Arbeit werden gemeinsam mit lokalen Akteuren in Workshops weiterentwickelt, sodass konkrete und umsetzbare nächste Schritte entstehen können. Diese Ko-Kreations-Prozesse sind bewusst interdisziplinär angelegt und beziehen Planer, politische Entscheidungsträger, Grundstückseigentümer, Dienstleister und Mitglieder der lokalen Gemeinschaft mit ein. Ziel ist es, Forschungsergebnisse in kontextspezifische Strategien zur Stärkung von Dorfzentren umzusetzen.
Diese Erkenntnisse werden gemeinsam mit lokalen Akteuren in Workshops weiterentwickelt, sodass umsetzbare nächste Schritte entstehen können. Diese Ko-Kreations-Prozesse sind bewusst interdisziplinär angelegt und beziehen Planer, politische Entscheidungsträger, Grundstückseigentümer, Betreiber und die lokale Bevölkerung mit ein. Das Ergebnis sind konkrete Erkenntnisse und Empfehlungen, die die Gemeinden bei der Weiterentwicklung ihrer Dorfzentren unterstützen.
Am Ende werden übertragbare Erkenntnisse und praktische Empfehlungen für Kommunen und Praktiker erarbeitet. Diese Ergebnisse werden in politische Empfehlungen umgesetzt, im Rahmen einer Wanderausstellung vorgestellt und diskutiert und tragen zum Aufbau eines Netzwerks von Kommunen und Fachleuten bei.
Das Projekt wird vom Nationalen Forschungsprogramm NFP 81 «Baukultur – für eine ökologische und soziale Transformation der gebauten Umwelt» finanziert und verbindet wissenschaftliche Analyse mit konkreter Umsetzung.
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