Projektwettbewerb - Wir unterstützen mutige Projekte!
Mit diesem Projektaufruf unterstützen wir konkrete, lokal verankerte Vorhaben, die Baukultur und Grundversorgung an einem bestimmten Gebäude oder zentralen Standort in einer ländlichen Gemeinde zusammenbringen. Angesprochen sind Gemeindepräsidien, Gemeindeverwaltungen, Eigentümerschaften oder Anbietende von Grundversorgung wie Post, Gesundheitsversorgung (z. B. Arztpraxis), Gastronomie, Detailhandel und weitere.
In ländlichen Gemeinden sind Orte der Grundversorgung oft mehr als reine Funktionsorte. Sie wirken als identitätsstiftende Anker im Ortsgefüge: räumlich erkennbar durch zentrale Lagen (Dorfkern, Plätze, wichtige Verkehrsachsen) und baulich repräsentiert durch häufig prägende, teils historische Gebäude. Diese Gebäude sind Ortsmarken und Ausdruck lokaler Identität.
Baukultur und Grundversorgung im Umbruch
Diese Struktur gerät zunehmend unter Druck. Nachfrage und Betreibermodelle verändern sich grundlegend: Physische Anlaufstellen wie Filialen, Schalter oder Points of sale verlieren an Bedeutung, während digitale Angebote wichtiger werden. Gleichzeitig steigen Anforderungen und Auflagen im Bereich Bauen, Sicherheit, Energie und Denkmalpflege. Dadurch verlieren viele Gebäude und Standorte ihre ursprüngliche Funktion, obwohl sie weiterhin zentral gelegen sind und nach wie vor Potenzial als Begegnungsorte und Dorfzentren haben. Zahlreiche ehemals öffentlich genutzte Gebäude stehen heute leer oder sind unternutzt – darunter Poststellen, Gemeinde- oder Rathausbauten, Gasthäuser, Dorfläden oder Arztpraxen. Mit dieser Ausschreibung suchen wir gezielt nach Vorhaben, die diese Situation aufgreifen: leerstehende oder untergenutzte Gebäude in zentraler Lage, die das Potenzial haben, erneuerte oder kombinierte Formen von Service public-Dienstleistungen und Grundversorgung aufzunehmen.
Der Projektaufruf erfolgt im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds im NFP 81 geförderten Projekts COBASI (Co-creating transformation processes of Baukultur and Services of General Interest in rural municipalities). COBASI untersucht, wie sich Baukultur und Grundversorgung in ländlichen Räumen sinnvoll verbinden lassen. Ziel ist es, umsetzbare Strategien und Vorgehensweisen für Projekte in diesem Spannungsfeld abzuleiten, Rahmenbedingungen zu reflektieren und Handlungsbedarf aufzuzeigen. Im Zentrum steht ein Ko-Kreations-Ansatz, der Betreibende, politisch Verantwortliche, Verwaltungsangestellte, Unternehmen und Zivilgesellschaft zusammenbringt, um Lösungen im lokalen Kontext zu entwickeln und zu testen. Ausgewählte Projekte erhalten eine strukturierte Prozessbegleitung und fachliche Unterstützung, um einen konkreten, realistischen Umsetzungsfahrplan zu erarbeiten.
Welche Projekte werden unterstützt?
Ziel ist es, hochwertige Baukultur mit den heutigen Bedürfnissen der Grundversorgung in Einklang zu bringen. Wir begleiten drei Projekte dabei, diese Brücke zu bauen. Projekte können aus unterschiedlichen Ausgangslagen entstehen:
- Es gibt ein leerstehendes oder unternutztes Gebäude, das reaktiviert werden soll
- Es besteht ein Mangel an Angeboten der Grundversorgung
- Es droht der Wegfall wichtiger Dienstleistungen im Ort
Die Projekte können sich in einer frühen Konzeptphase befinden oder bereits in Vorbereitung sein. Wir unterstützen Initiativen, die diese Herausforderungen angehen, indem wir sie durch einen strukturierten Prozess begleiten. Für eine Bewerbung ist keine formalisierte Projektstruktur erforderlich.
Welche Unterstützung können Sie erwarten?
Ausgewählte Projekte erhalten Prozessunterstützung durch das COBASI-Team und weitere Expertinnen und Experten. Der Prozess folgt einem agilen Ko-Kreations-Ansatz und zielt auf eine nachhaltige, umsetzungsorientierte Lösung ab. Dabei wird ein tragfähiges Verhältnis hergestellt zwischen:
- den architektonischen Qualitäten im Bestand,
- der kommunalen Entwicklungsperspektive,
- den Anforderungen der Dienstleistungsanbieter und
- den rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Die ausgewählten Projekte erhalten im Rahmen des NFP 81 nationale Sichtbarkeit. Gemeinden und Serviceanbieter positionieren sich als Partner mit Lern- und Umsetzungskompetenz und unterstreichen die Attraktivität ihres Standorts.
Wichtig: Diese Ausschreibung sieht keine finanziellen Zuschüsse für Bauvorhaben oder Investitionen vor. Die Unterstützung besteht ausschliesslich aus fachlicher Begleitung, methodischer Beratung und der Einbindung in ein nationales Netzwerk. Als ausgewähltes Projekt können Sie zudem übergeordnete Hürden (z. B. Gesetzgebung, Finanzierung, Standards, Vollzug) in den Dialog mit Fachkreisen und politischen Akteuren einbringen.
Wie ist unter einem Ko-Kreations-Prozess zu verstehen?
In einer Startphase werden die relevanten Akteurinnen und Akteure identifiziert und die Akteursgruppen gezielt ergänzt. Das Problemverständnis wird gemeinsam geschärft und Referenzprojekte werden diskutiert. Danach folgt ein zentraler, ganztägiger Ko-Kreations-Workshop vor Ort: Zielbild und Lösungsoptionen werden systematisch erarbeitet und gegeneinander abgewogen. In einem nachgelagerten Schritt werden die Workshop-Ergebnisse in konkrete nächste Schritte überführt – mit Verantwortlichkeiten, Abklärungsaufträgen und einer Roadmap für die Umsetzung.
Als methodischer Rahmen dient Design Thinking. Es sind keine methodischen Vorkenntnisse der Bewerbenden erforderlich.
Wie Sie sich bewerben können
Wir suchen Vorhaben, Projektideen oder konkrete Projekte in ländlichen Gemeinden, die durch die Verbindung von Grundversorgung und Baukultur einen Revitalisierungsprozess auslösen. Im Zentrum steht die Umnutzung von Bestandsgebäuden (leerstehend oder ungenutzt) und die Integration von Dienstleistungen der Grundversorgung.
Der Projektumfang kann verschiedene Bereiche umfassen, z. B.: lokale Versorgung, Post/Kommunikation, Mobilität/öffentlicher Verkehr, Gesundheits- und Sozialdienste, Bildung/Betreuung, Kultur/soziale Interaktion, bezahlbarer Wohnraum für verschiedene Altersgruppen und Lebensstile. Projekte können sich auf eine einzelne Dienstleistung konzentrieren oder mehrere Angebote in einem multifunktionalen Ansatz kombinieren. Einzeldienstleistungs- und Mehrfachdienstleistungskonzepte sind möglich.
Bewerbungen werden von mindestens zwei Akteuren eingereicht, z. B. Gemeinde und Dienstleistungsanbieter, öffentlich-private Partnerschaften, Eigentümerschaften und Betreibende, usw. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit wird in einer Absichtserklärung (letter of intend) dokumentiert.
Auswahlkriterien sind: Relevanz für die Integration von Baukultur und Grundversorgung, Durchführbarkeit, Engagement der Akteure sowie Transferpotenzial für andere ländliche Gemeinden.
Jetzt bewerben
Aufwand und Verpflichtung
Ihr Zeitaufwand umfasst die aktive Teilnahme am Ko-Kreations-Prozess: Kick-off Sitzung (online oder vor Ort), ein ganztägiger Workshop vor Ort, und eine nachbereitende Sitzung zur Definition einer Umsetzungs-Roadmap (online oder vor Ort), sowie allfällige begleitende Klärungen mit weiteren Stakeholdern. Für Räumlichkeiten und Catering sind die Einreichenden verantwortlich. Allfällige Kosten sowie interne Arbeitszeit der Einreichenden tragen diese. Kosten für den begleitenden Ko-Kreations-Prozess fallen nicht an.
Zusätzlich wird die Teilnahme an der COBASI-Veranstaltung am 24. Juni 2026 in Bern sowie an der Abschlussveranstaltung von COBASI Anfang 2027 erwartet. Die Umsetzung ist keine formelle Verpflichtung, Bewerbende sollen jedoch eine ernsthafte Absicht und eine realistische Umsetzungsperspektive aufzeigen.
Zeitplan und Kontakt
Start der Projektausschreibung: 2. März 2026
Online-Fragestunde: 27. März 2026, 9–11 Uhr, und 23. April 2026, 13–15 Uhr
Bewerbungsschluss: 8. Mai 2026
Entscheidung: 1. Juni 2026
Bekanntgabe der Ergebnisse: 3. Juni 2026
Präsentation der ausgewählten Projekte: 24. Juni 2026 (COBASI-Halbzeitveranstaltung)
Ko-Kreation-Workshops im August/September 2026, Oktober/November 2026 und April/Mai 2027
Für weitere Anfragen wenden Sie sich bitte an Mirjam Iselin auf Deutsch mirjam.iselin(at)ost.ch oder Julie Riondel auf Französisch julie.riondel(at)hefr.ch